Tipps und Tools – LFO

Tipps und Tools

Was bedeutet LFO?

Zuerst der Basisbegriff: Ein Oszillator ist ein elektronisches Bauteil, das Schwingungen erzeugt.
Im Reich der Musikelektronik steckt es in Synthesizern und sonstigen Instrumenten sowie Effektgeräten.
Das Kürzel LFO steht für »low frequency oscillator« und kann mit »niederfrequenter Oszillator« übersetzt werden
also einem, der vergleichsweise langsam schwingt.

Ein LFO erzeugt selbst noch keinen Klang wie der Audio-Oszillator, stattdessen dient er zur Beeinflussung deiner Sounds.


LFO = low frequency oscillator (niederfrequenter Oszillator)
Erzeugt keinen Klang aus eigener Kraft
Dient zur Modulation eines bestehenden Klangs

Was kann ich mit einem LFO machen?
Ein LFO sorgt für Bewegung im Sound, macht ihn lebendiger und im wahrsten Sinne des Wortes beschwingter.
Er lässt Klänge »atmen«, »schimmern« oder »pulsieren«…und ja, auch »wobbeln« wie im Dubstep.
Mit einem LFO wird ein Klangparameter dauerhaft und rhythmisch nach einem wiederkehrenden Muster moduliert.
Bei einer Hüllkurve ist das anders, denn sie wird in der Regel einmal »abgefeuert« und dann stets erst
beim nächsten Tastenanschlag wieder ausgelöst.
Hier sind drei Beispiele für Klänge, die per LFO moduliert wurden.

LFO Original:

LFO Lautstaerke:

LFO Tonhoehe:

LFO Filerfrequenz:

Die wichtigsten LFO-Parameter

Wellenform
Die Kurvenform der Schwingung. Die Klassiker sind Sinus, Rechteck, Dreieck und Sägezahn.
Zuweilen findet sich auch eine zufallsgenerierte Wellenform bzw. Rauschen (Noise), was teils aufsehenerregende, teils chaotisch anmutende Klänge hervorruft.
Sinus erzeugt hingegen die wohl am natürlichsten und sanftesten anmutenden Bewegungen im Klang.



Geschwindigkeit (Rate)
Dieser Parameter bestimmt, wie schnell der LFO schwingt.
Technisch formuliert: wie viele Perioden (Schwingungsdurchgänge) in einem bestimmten Zeitfenster geschehen – meist pro Sekunde gemessen, also in Hertz.

Der Name »low frequency oscillator« kommt nicht von ungefähr, da die meisten LFOs im Vergleich zu Audio-Oszillatoren nur recht langsam schwingen können.
Mit Schwingungen im Bereich zwischen 0 und 20 Hertz werden die meisten LFO-typischen Anwendungen aber bereits abgedeckt.
Doch es gibt auch LFOs, die die sogenannte Audioratenmodulation beherrschen und teils weit über 20 Hertz hinausgehen.

Je nach Zielparameter können interessante Effekte entstehen, etwa bei der Frequenzmodulation (FM) des Audio-Oszillators.

Host-Synchronisation (alternativ: Sync, BPM Sync oder Host Sync)Wenn Du bei einem LFO die sogenannte Host-Synchronisation aktivierst,
wird das Tempo an das deines DAW-Projekts angepasst.Der Knackpunkt ist, dass dann noch mehrere Taktraten wie 2/1, 1/4 etc. zur Verfügung stehen.
Damit kannst Du einen musikalisch stimmigen Schwingungsrhythmus einstellen, der im Einklang mit den anderen rhythmischen Elementen deines Stückes steht.
Für extrem langsame oder extrem schnelle Schwingungen muss die Synchronisation gegebenenfalls deaktiviert werden.
Oder generell für Musik, die sich dem »Gleichschritt« ganz bewusst verweigert.

Fortgeschrittene LFO-Parameter

Phase
Mit einem Phasenregler wird der Startpunkt der LFO-Welle um 0 bis 359° verschoben – die folgende Abbildung verdeutlicht


Die klanglichen Auswirkungen sind je nach LFO-Geschwindigkeit mal mehr, mal weniger offensichtlich. Bei einem langsamen, um 180°
verschobenen LFO können die Unterschiede zur 0°-Einstellung wie Tag und Nacht erscheinen.
Schließlich schlägt die Welle beim Beginn der LFO-Schwingung nicht nach oben, sondern nach unten aus.

Retrigger (alternativ: Reset, Restart oder Key Sync)

Damit bestimmst Du, bei welchem Ereignis die LFO-Welle neugestartet werden soll – bei aktivierter Retrigger-Option beginnt sie bei jeder
angeschlagenen (MIDI-)Note von Neuem am Nullpunkt.
Auch hier kann sich das abhängig von den anderen LFO-Parametern mal mehr, mal weniger stark auf den Klang auswirken.Ist Retrigger deaktiviert,
schwingt die LFO-Welle frei und ungehindert von neu auftauchenden Noten – für einen fließenden Klangverlauf.

Einsatzverzögerung (Delay)

Mit diesem Parameter legst Du fest, nach welcher zeitlichen Verzögerung die LFO-Welle zu schwingen anfangen soll.
So bleibt die Modulation je nach Einstellung ein paar Sekunden(-bruchteile) gänzlich aus (das Modulationssignal verläuft eine Weile lang
auf dem Nullpunkt), bevor sie zu schwingen beginnt.
Startpunkt ist jeweils eine neu angeschlagene MIDI-Note

Der LFO als Teil von Effekten

Bei den im Folgenden vorgestellten Effekttypen wird nur jeweils ein bestimmter Klangparameter durch die Schwingung des LFOs moduliert
die feste Zuordnung von Modulationsquelle (hier das LFO) und Modulationsziel (Klangparameter X) ist charakteristisch für diese vier ausgewählten Vertreter:

Tremolo – Modulation der Lautstärke
Vibrato – Modulation der Tonhöhe
Auto-Filter – Modulation der Grenzfrequenz eines Filters
Auto-Pan – Modulation der Links/Rechts-Lautstärkeverteilung eines Stereosignals

Modulationsmatrix

Anders als bei den dedizierten LFOs der gerade beschriebenen Effekttypen und vieler Synthesizer bist Du mit einer Modulationsmatrix nicht auf feste
Parameterverknüpfungen angewiesen.
Stattdessen kannst Du frei schalten und walten, wie bei den Buchsen für die Steuerspannung bei einem modularen Synthesizer.
Nur recht ausgefeilte Synthies oder Effektgeräte bieten diese Möglichkeit.
In einem Slot einer Modulationsmatrix erstellst Du eine Gleichung nach diesem Schema:

Modulationsquelle × Faktor × Modulationsziel

Als Modulationsquelle wählst Du einen der verfügbaren LFOs. Der Faktor wird fast immer in Prozentwerten angegeben,
so auch im untenstehenden Beispiel eines Synthesizer-Plugins (»Amount« mit Werten von -100 bis 100).
Schließlich wählst Du einen Zielparameter für die Modulation, also klassischerweise etwa Lautstärke, Tonhöhe oder Filter-Grenzfrequenz (»Cutoff«).


Die Modulationsmatrix des Synapse Audio Dune

Mit einer solchen Matrix kannst Du in der Regel weitaus mehr Parameter ansteuern als bei dedizierten LFOs.
Etwa die Pulsweite der Rechteckswellen aus den Audio-Oszillatoren.
Auch ist die Zuweisung eines LFOs zu mehreren Modulationszielen gleichzeitig möglich – nutze dafür einfach mehrere Slots und experimentiere bei Bedarf
mit den Faktoren.
Komplexe Funktionen lassen sich realisieren, etwa die gegenseitige Beeinflussung mehrerer LFOs (so dass LFO 2 die Geschwindigkeit von LFO 1 moduliert oder dergleichen).

Zusammenfassung:
Ein LFO allein erzeugt keinen Klang
Der LFO schafft Bewegung in statischen Sounds
Dazu gehören Schwingungen von Lautstärke, Tonhöhe, Filterfrequenz…
Grundlegende Parameter: Wellenform und Rate

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